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Gedenkveranstaltungen erinnern an das Novemberpogrom

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Am Vormittag des 10. November 1938 brannte die Bonner Synagoge in der ehemaligen Tempelstraße am Rheinufer. Sie war eine von insgesamt fünf jüdischen Gotteshäusern, die in Bonn, Poppelsdorf, Beuel, Bad Godesberg und Mehlem in Brand gesteckt wurden.

Mit Gedenkveranstaltungen in Beuel, Bad Godesberg und Bonn am Dienstag und Mittwoch, 9. und 10. November 2021, erinnert die Initiative zum Gedenken an die Bonner Opfer des Nationalsozialismus 83 Jahre nach dem Pogrom an die jüdische Bevölkerung in Bonn.

Zentrale Gedenkveranstaltung und Gedenkkonzert am 10. November

Die zentrale Gedenkveranstaltung findet dieses Jahr wieder in Präsenz am Synagogenmahnmal am Moses-Hess-Ufer statt. Am Mittwoch, 10. November, ab 17 Uhr sprechen unter anderem Oberbürgermeisterin Katja Dörner sowie Dr. Margaret Traub, Vorsitzende der Bonner Synagogengemeinde. Für musikalische Begleitung sorgen Matthias Höhn sowie Kantor Yishai Rakovsy.

Veranstalter der zentralen Gedenkveranstaltung ist die Initiative zum Gedenken an die Bonner Opfer des Nationalsozialismus. Zu ihr gehören: das Bildungsforum Lernwelten, die Deutsch-Israelische Gesellschaft -Arbeitsgemeinschaft Bonn, das Evangelische Forum Bonn, die Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus, der Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Bonn, das Katholische Bildungswerk Bonn, Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn, die Synagogengemeinde Bonn, das Theater Bonn und die Volkshochschule Bonn.

Die Oper Bonn wird am 10. November ein digitales Gedenkkonzert anbieten. Unter www.theater-bonn.de/gedenkkonzert wird ab 15 Uhr folgendes Programm abrufbar sein:

  • Lili Boulanger aus „Clairières dans le ciel“ (1914): Parfois, je suis triste
  • Maurice Delage: Sept Haï-Kaïs (1924)
  • Luigi Dallapiccola: Quattro liriche di Antonio Machado (1948)
  • Ruth Schönthal aus Wildunger Liederzyklus: Nr. 3 Arme Erde und Nr. 4 Ich sah den Tod von Ferne (1992/97)

Gedenkveranstaltungen in den Stadtbezirken am 9. November

In Beuel lädt die „Beueler Initiative gegen Fremdenhass“ am Dienstag, 9. November, um 17.30 Uhr ein zu einer Gedenkkundgebung auf den Beueler Synagogenplatz. Es folgt ein Schweigegang zum Jungen Theater. Bei der anschließenden Gedenkveranstaltung im Theater werden Schüler*innen der Integrierten Gesamtschule Beuel Zitate aus Briefen von Verfolgten präsentieren. Für die Veranstaltung im Theater gilt die 3G-Regel.

In Poppelsdorf wird auf Initiative der Lutherkirchengemeinde am Dienstag, 9. November, um 18 Uhr eine ökumenische Andacht am Platz der ehemaligen Poppelsdorfer Synagoge stattfinden und an die Zerstörung der Synagoge während der Novemberpogrome erinnern.

In Bad Godesberg findet am Dienstag, 9. November, um 19 Uhr auf Initiative der evangelischen Johannes-Kirchengemeinde eine Andacht in der Oststraße 8 statt. Die liturgische Gestaltung übernimmt Pfarrer Tobias Mölleken, der musikalisch vom Saxophonisten Jürgen Dietz unterstützt wird.

Zur Geschichte des Novemberpogroms in Bonn

Am 7. November 1938 schießt der 17-jährige Herschel Grynszpan, dessen Eltern kurz zuvor von Hannover nach Polen deportiert worden waren, auf den Legationssekretär der deutschen Botschaft in Paris, Ernst vom Rath. Als der Diplomat am 9. November 1938 seinen Verletzungen erliegt, dient die Tat des verzweifelten Jungen als Vorwand, um die Deutschen als Opfer einer angeblichen “jüdischen” Verschwörung darzustellen und gegen die deutschen Juden vorzugehen. Es folgt ein Pogrom, wie es in Deutschland seit Jahrhunderten nicht mehr stattgefunden hat. Was als spontaner Protest ausgegeben wird, ist eine von der NSDAP schon seit Frühjahr 1938 vorbereitete und organisierte Aktion.

In Bonn – wie auch in anderen Städten – werden die Synagogen nicht in der Nacht vom 9. November auf den 10. November zerstört, sondern am Morgen des 10. November. Der entsprechende Befehl geht erst gegen Mitternacht bei der Gestapo ein, und die zuständige SS-Dienststelle Bonn wartet auf SS-Männer aus dem Umland, um zu verhindern, dass die Beteiligten erkannt werden. Am 10. November werden am helllichten Tag die Synagogen in Bonn, Bad Godesberg, Beuel, Mehlem und Poppelsdorf in Brand gesetzt, Geschäfte und Wohnungen zerstört. In den darauffolgenden Tagen werden viele jüdische Männer verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Nur wenige Bonner, wie die Familie Kahle, helfen ihren jüdischen Bekannten oder Freunden.

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