Der CLARITY Act sollte dem Kryptomarkt in den USA endlich ein umfassendes gesetzliches Regelwerk geben. Doch am 15. September 2026 kam zunächst der Rückschlag: Der Gesetzentwurf erreichte im US-Senat nicht die erforderlichen 60 Stimmen.
Seitdem fragen sich viele Anleger: Ist der CLARITY Act endgültig gescheitert – und was bedeutet das jetzt für XRP und Ripple?
Stand Donnerstag, 17. September 2026, lautet die Antwort: Das Gesetz ist vorerst gestoppt, aber noch nicht vollständig vom Tisch. Und speziell für XRP gibt es einen wichtigen Unterschied zum allgemeinen US-Kryptomarkt.
CLARITY Act gescheitert? Das ist der Stand am 17. September 2026
Bei der entscheidenden Verfahrensabstimmung stimmten 49 Senatoren dafür und 50 dagegen, die Debatte über den CLARITY Act voranzubringen. Für die sogenannte Cloture waren 60 Stimmen notwendig.
Auf den ersten Blick sieht das nach einem klaren Aus aus. Ein wichtiges Detail verändert die Situation jedoch: Der republikanische Senator Thom Tillis wechselte seine Stimme aus verfahrenstechnischen Gründen auf Nein und stellte unmittelbar danach einen Antrag auf Wiederaufnahme der Abstimmung.
Damit bleibt dem Senat grundsätzlich die Möglichkeit, die Abstimmung erneut aufzurufen. Ein neuer Termin steht derzeit allerdings nicht fest. Auch im veröffentlichten Senatsplan für den 17. September ist keine erneute Abstimmung über den CLARITY Act vorgesehen.
Das bedeutet: Der CLARITY Act ist blockiert – aber formal noch nicht endgültig erledigt.
Warum ist der CLARITY Act überhaupt gescheitert?
Reuters berichtet von mehreren ungelösten Streitpunkten. Dazu gehören unter anderem strengere Ethikregeln für Regierungsvertreter, Fragen rund um Stablecoins sowie die künftige Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen den amerikanischen Finanzaufsichtsbehörden.
Neben Demokraten stimmten auch mehrere republikanische Senatoren gegen das Vorankommen des Gesetzes. Die notwendigen 60 Stimmen kamen deshalb nicht zustande.
Die politische Ausgangslage bleibt schwierig. Gleichzeitig zeigt der Antrag von Tillis zur Wiederaufnahme, dass zumindest ein Teil der Unterstützer die Verhandlungen noch nicht aufgegeben hat.
Was bedeutet die CLARITY-Entscheidung für XRP?
Für XRP-Halter ist an dieser Stelle eine Unterscheidung besonders wichtig: Der CLARITY Act sollte ein dauerhaftes gesetzliches Fundament für den gesamten amerikanischen Kryptomarkt schaffen. Die regulatorische Position von XRP hängt jedoch nicht ausschließlich von diesem Gesetz ab.
Im März 2026 veröffentlichten die US-Börsenaufsicht SEC und die Rohstoffaufsicht CFTC eine gemeinsame regulatorische Interpretation für Krypto-Assets.
Darin wird XRP ausdrücklich als Beispiel einer „Digital Commodity“ aufgeführt – gemeinsam mit unter anderem Bitcoin, Ether, Solana, Cardano und Stellar.
Die SEC stellt in demselben Dokument klar, dass eine Digital Commodity als solche nicht selbst ein Wertpapier ist. Die Behörde weist allerdings ebenfalls darauf hin, dass die konkrete Art eines Angebots oder Verkaufs weiterhin rechtlich relevant sein kann.
Damit befindet sich XRP heute regulatorisch in einer anderen Ausgangslage als noch während des jahrelangen Rechtsstreits zwischen Ripple und der SEC.
Ripple reagiert deutlich auf das Scheitern
Ripple veröffentlichte unmittelbar nach der Abstimmung einen eigenen Beitrag mit dem Titel „The Road to Clarity Ends (for now)“.
Darin bezeichnet das Unternehmen das Ergebnis als verpasste Chance für Verbraucher, die Digital-Asset-Branche und die Wettbewerbsfähigkeit der USA. Gleichzeitig stellt Ripple einen Punkt besonders heraus:
„Ripple and XRP stand on settled ground.“
Nach Darstellung des Unternehmens verändert die gescheiterte Abstimmung nichts an der bereits erreichten regulatorischen Position von XRP. Ripple verweist dabei sowohl auf die gerichtlichen Entscheidungen aus dem früheren SEC-Verfahren als auch auf die gemeinsame Interpretation von SEC und CFTC aus dem März 2026.
Das Unternehmen kündigte zugleich an, sich weiter für eine umfassende gesetzliche Marktstruktur in den USA einzusetzen und parallel mit SEC und CFTC zusammenzuarbeiten.
Brad Garlinghouse: „This one stings“
Auch Ripple-CEO Brad Garlinghouse reagierte persönlich auf das Ergebnis.
„This one stings.“
Garlinghouse machte damit deutlich, wie enttäuschend das Ergebnis für Ripple und große Teile der amerikanischen Kryptobranche ist. Er forderte zugleich eine genaue Analyse der Gründe, warum die über Monate verhandelte Gesetzgebung am Ende nicht genügend Stimmen erhielt.
Für XRP-Anleger ist jedoch auch entscheidend, was Ripple nach der Abstimmung über das eigene Geschäft sagt.
Das Unternehmen erklärt, dass sich seine operative Entwicklung durch die Abstimmung nicht verändert habe. Ripple sieht nach eigenen Angaben weiterhin eine starke Nachfrage in den Bereichen Zahlungsverkehr, Stablecoins und institutionelle Finanzmärkte. Auch die internationale Präsenz und die bestehenden Kundenbeziehungen seien unverändert.
Diese Aussagen stammen von Ripple selbst und sind deshalb als Einschätzung des Unternehmens zu verstehen. Sie zeigen aber, dass Ripple die Niederlage im Senat nicht als grundlegenden Einschnitt für das eigene Geschäft oder XRP betrachtet.
Warum der CLARITY Act trotzdem wichtig bleibt
Die bereits bestehende regulatorische Einordnung von XRP bedeutet nicht, dass der CLARITY Act unwichtig geworden ist.
Ein vom US-Kongress beschlossenes Gesetz hätte wesentlich dauerhaftere Regeln geschaffen und die Zuständigkeiten von SEC und CFTC gesetzlich festgelegt. Ohne ein solches Gesetz bleibt ein größerer Teil der amerikanischen Kryptoregulierung von Entscheidungen der Behörden abhängig.
Reuters weist darauf hin, dass solche Regeln durch zukünftige politische Veränderungen oder gerichtliche Auseinandersetzungen leichter verändert werden können als ein vom Kongress verabschiedetes Gesetz. Genau deshalb drängt auch Ripple weiterhin auf eine gesetzliche Lösung.
Wie geht es mit dem CLARITY Act jetzt weiter?
Der unmittelbar wichtigste Punkt ist der von Senator Thom Tillis eingebrachte Antrag auf Wiederaufnahme der Abstimmung.
Damit kann der Senat grundsätzlich erneut über das Vorankommen des Gesetzes entscheiden. Dafür müssten die Befürworter allerdings zusätzliche Senatoren überzeugen und erneut die notwendige Schwelle von 60 Stimmen erreichen.
Stand 17. September gibt es dafür noch keinen offiziellen Termin.
Die kommenden Verhandlungen dürften deshalb entscheidend sein. Werden bei den umstrittenen Punkten neue Kompromisse gefunden, kann der CLARITY Act noch einmal auf die Tagesordnung kommen. Bleibt die notwendige Unterstützung aus, würde sich eine umfassende gesetzliche Kryptoregulierung in den USA weiter verzögern.
SEC und CFTC werden jetzt noch wichtiger
Parallel zum Kongress arbeiten die amerikanischen Finanzaufsichtsbehörden bereits an eigenen Regeln für digitale Vermögenswerte.
SEC-Chef Paul Atkins und CFTC-Chef Michael Selig hatten bereits im März gemeinsam angekündigt, die regulatorische Behandlung von Krypto-Assets stärker aufeinander abzustimmen.
Für XRP ist genau diese Entwicklung interessant: Die gemeinsame Interpretation der beiden Behörden führt XRP bereits ausdrücklich als Digital Commodity auf.
Ripple erwartet deshalb nach eigener Aussage nicht, dass die derzeitige regulatorische Einordnung von XRP durch weitere Regelsetzungen grundsätzlich verändert wird.
Was XRP-Halter aus der aktuellen Entwicklung mitnehmen können
Die gescheiterte Abstimmung ist zweifellos ein Rückschlag für den Versuch, den gesamten US-Kryptomarkt gesetzlich neu zu ordnen. Sie bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche regulatorischen Fortschritte der vergangenen Jahre wieder verschwunden sind.
Gerade bei XRP ist dieser Unterschied wichtig.
Der CLARITY Act ist vorerst gestoppt. Die gemeinsame Einordnung von XRP durch SEC und CFTC besteht jedoch weiterhin. Ripple entwickelt sein Geschäft weiter und die Möglichkeit einer erneuten Senatsabstimmung wurde formal offengehalten.
Das ist keine Garantie für eine bestimmte Kursentwicklung von XRP. Der Preis wird weiterhin von zahlreichen Faktoren beeinflusst – darunter die allgemeine Entwicklung des Kryptomarktes, Geldpolitik, institutionelle Nachfrage und die weitere Regulierung.
Für Anleger dürfte deshalb weniger entscheidend sein, ob einzelne Schlagzeilen den CLARITY Act bereits für „tot“ erklären. Wichtiger ist, ob der Senat einen neuen Abstimmungstermin festlegt, wie SEC und CFTC ihre Regeln weiterentwickeln und welche realen Fortschritte Ripple und der XRP Ledger in den kommenden Monaten erzielen.
XRP-Debatte auf YouTube: FFDK589 begleitet die Entwicklung
Wer die aktuellen Entwicklungen rund um XRP, Ripple und den CLARITY Act auch aus Sicht der deutschsprachigen XRP-Community verfolgen möchte, findet beim YouTube-Kanal FFDK589 regelmäßig Einordnungen, Kommentare und Diskussionen zu den wichtigsten Nachrichten.
Gerade bei schnelllebigen Themen wie der US-Kryptoregulierung lohnt sich dabei der Vergleich verschiedener Perspektiven: Offizielle Quellen von SEC, CFTC, US-Senat und Ripple liefern die Faktenbasis, während Kanäle wie FFDK589 zeigen, wie die Entwicklungen innerhalb der XRP-Community diskutiert und bewertet werden.
Fazit: Rückschlag, aber kein regulatorischer Neustart für XRP
Der CLARITY Act hat eine wichtige Abstimmung verloren – XRP steht deshalb aber nicht wieder am Anfang.
Der Senat kann die Abstimmung grundsätzlich erneut aufnehmen. Gleichzeitig besitzt XRP bereits eine regulatorische Grundlage, die durch die Entscheidung vom 15. September nicht aufgehoben wurde.
Ripple selbst spricht deshalb trotz der Enttäuschung von einer Position der Stärke und will sowohl politisch als auch operativ weiterarbeiten.
Für XRP-Halter werden die nächsten Wochen damit weiterhin spannend: Nicht die erste gescheiterte Abstimmung allein entscheidet über die Zukunft – sondern das, was Washington, SEC, CFTC und die Unternehmen der Kryptobranche jetzt daraus machen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlage-, Finanz- oder Kaufempfehlung dar. Kryptowährungen unterliegen erheblichen Kursschwankungen und Risiken.
Quellen: U.S. Senate, Reuters, U.S. Securities and Exchange Commission (SEC), Commodity Futures Trading Commission (CFTC), Ripple, The Block.